Vorwort zur Italienfahrt 2008

 

Nach einer 1500km-Tour quer durch Deutschland und einer 500km-Tour in der Fränkischen Schweiz unmittelbar vor der bevorstehenden Italienfahrt sollte ich hinreichend trainiert sein. Auf dieser Fahrt sollte ich auch nicht allein sein, denn Wolf, den ich Pfingsten kennengelernt hatte, war mit dabei.
Im Folgenden ist der Reisebericht zu lesen, den ich meistens am Abend des jeweiligen Tages niedergeschrieben habe, manchmal auch etwas später. Klickt man auf die Bilder rechts, so bekommt man alle Bilder dieses Tages (Format jeweils 800x600).






1.Tag: Mo 11.8. km30151

Georgensgmünd - Augsburg - Türkenfeld 171km

Weitere Bilder am 1.Tag Bereits am Sonntag abend kam Wolf zu mir, denn die erste Etappe nach Türkenfeld sollte 170km lang werden. Daher brachen wir in Georgensgmünd kurz nach 8.00 auf. Das Wetter für heute war passabel gemeldet, morgen aber Dauerregen, übermorgen wieder etwas besser. Zunächst war es stark bewölkt, aber bereits am Weißenburg kam die Sonne hervor und es wurde richtig angenehm warm. Bis Treuchtlingen ging es an der Bahn entlang, dann auf relativ verkehrsarmen Straßen das Möhrenbachtal hinauf nach Weilheim. Über Otting - Flotzheim - Itzing - Daiting - Gansheim - Schweinspoint gelangten wir nach Marxheim. Leider hatten wir noch nichts Essbares für Mittag - es war bereits 12.45 - zu dumm wenn man sich nicht rechtzeitig darum kümmert. Aber in Rain fanden wir eine Norma, sodass wir uns hinreichend eindecken konnten. Direkt gegenüber des Parkplatzes gab es eine Sitzbank, sodass wir uns gleich niederließen. Nach der Mittagspause ging es weiter über Oberpeichting an den Lech-Radweg. Bis Thierhaupten ist der Belag sehr grob, entsprechend langsam kamen wir voran. Danach hatten wir erstklassigen Schotterwegbis Augsburg. In Augsburg bogen wir in die Altstadt ab, denn Wolf musste noch ein Geschenk für seine Nichten besorgen - wir wollten bei seinem Bruder in Türkenfeld übernachten. Wir machten nochmal Rast am Marktplatz, bevor wir uns auf dem Lech-Radweg weiter auf den Geg nach Süden machten. Am Meringer Badesee bogen wir ab und gelangten über Merching - Steindorf nach Egling. Bis hierher hatte das Wetter gehalten, doch seit Augsburg zogen dunkle Wolken auf. Sie zogen vor uns vorbei und wir fuhren nur über nasse Straßen. Doch nun begann es heftig zu regnen. Wir konnten uns gerade noch in einem Carport unterstellen. Bei nachlassendem Regen und bereits dämmrigem Himmel machten wir uns an die letzten 20km nach Türkenfeld und erreichten um 21.30 unser Ziel - gerade rechtzeitig, denn während wir uns im Haus heiß duschten, regnete es wieder wie aus Gießkannen. Wir wurden geradezu königlich empfangen. Gleich nach dem Duschen wurde uns Spaghetti mit Tomatensoße und handgeriebenem Parmesan serviert. Nach dem Essen und ausgiebiger Unterhaltung legten wir uns schlafen - nicht im Zelt sondern auf extra gemachten Betten.






2.Tag: Di 12.8. km30322

Türkenfeld - Weilheim - Oberammergau - Plansee 111km

Weitere Bilder am 2.Tag Vor dem Aufstehen dachten wir, es regnete die ganze Zeit, doch dabei plätscherte nur die Zirkulation des Gartenteichs. Nach Ausgiebigem Frühstück fuhren wir los - die Straßen waren trocken und es sah auch nicht nach Regen aus! In Weilheim aßen wir Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln in Wolfs früherer Mittagskantine - er arbeitete früher in Weilheim. Über kleine und kleinste Wege erreichten wir Bayersoien. Die Luft war regelrecht schwül, sodass es einen Wolkenbruch gab. Wir konnten uns gerade noch rechtzeitig in einem Heuschuppen unterstellen. In Oberammergau bogen wir ab nach Graswang - Linderhof und kamen über den Ammergauer Sattel nach Österreich. Unmittelbar vor der Grenze nutzte ich nochmal meine deutsche Telefon-Flat - ich musste sowieso auf Wolf warten, der im Bergfahren nicht so fit war wie ich.
Dann ging es hinunter zum Plansee. Wir fuhren am See entlang nach Westen und ließen uns auf dem Campingplatz nieder. Es handelt sich um eine kleine Anlage, schön am Hang terrassiert. Leider hatte es vorher geregnet, sodass wir das Zelt auf nassen Untergrund stellen mussten. Auf einer Bankgarnitur kochten wir uns Rote Bohnen mit Hackfleisch und Nudeln dazu. Unmittelbar nach dem Essen begann es zu regnen. Wir gingen noch heiß duschen und anschließend ins Zelt zum Schlafen.






3.Tag: Mi 13.8. km30433

Plansee - Fernpass - Landeck - Pfunds 108km

Weitere Bilder am 3.Tag Es regnete sie ganze Nacht durch und hörte erst um 8.00 auf. Wir standen auf, frühstückten und kamen um 9.30 los. Für den Campingplatz knüpften sie uns gerade 10€ ab (Sonderpreis, aber der Platz ist auch regulär nicht teuer). Wir fuhren auf unbefestigten Wegen am Plansee entlang. Erneut setzte Nieselregen ein, was uns aber nicht an der Weiterfahrt hinderte. In Lermoos gelangten wir auf die Fernpass-Route. Um dem Verkehr zu entkommen, wichen wir auf einen ausgeschilderten Parallel-Radweg aus Der "Radweg" erwies sich als eine steil ansteigende und wieder abfallende Geröllpiste, die dann wieder in die Fernpass-Straße mündete, sodass wir doch 3km zwischen LKW mit PKW-Schlangen hinter sich hochfahren mussten. Der Fernpass ist für Radfahrer absolut abzuraten. Sowohl der "Radweg" als auch die Teerstraße ist eine Zumutung für Radfahrer! Auf der Passhöhe stärkten wir uns durch einen Imbiss. Die Abfahrt nach Imst konnten wir nahezu ungebremst hinunterheizen - den Fernpass von Süden her wäre eine noch größere Zumutung! In Imst besorgten wir im Hofer alles, was wir für Abendessen und Frühstück. Das Wetter sah hier schon wesentlich besser aus, es kam sogar die Sonne heraus. Die Weiterfahrt Über Landeck und Prutz verlief sehr zügig. In Pfunds suchten wir erwartungsvoll den auf der Karte eingezeichneten Campingplatz und erfuhren, dass er schon seit vier Jahren geschlossen war. Allerdings gab es auch eine Jugendherberge in Pfunds. Zwar konnten wir dort nicht zelten, aber bekamen für 19€ pro Person ein Zimmer mit Frühstück. Außerdem nahmen sie unser Fleisch in den Kühlschrank. Nach dem Duschen aßen wir dort gleich Kaiserschmarren zu Abend.






4.Tag: Do 14.8. km30541

Pfunds - St. Moritz - Silvaplana 104km

Weitere Bilder am 4.Tag Nach reichlichem Frühstück kamen wir noch vor 9.00 los, das Wetter war schön. Die Strecke bis Scuol war sehr wenig befahren. Zwar existiert auch hier ein Radweg, aber damit nimmt man unnötige Steigungen und vor allem schlechte Wege in Kauf. Auf dem weiteren Streckenverlauf nahmen wir aber dann doch den Radweg. Der Belag war meist guter Schotter, aber es ging dauernd auf und ab.Kurz vor St. Moritz nahmen wir die Autoroute und gelangten unversehens in den oberen Ort, ein kleiner Bonus-Berg oben drauf. St. Moritz besteht fast nur aus Hotels, die wie Hochhäuser aussehen. Bei mäßigem Gefälle gelangten wir am Südende des Ortes wieder auf die Hauptstraße und erreichten wir um 19.00 den Campingplatz Silvaplana. Wie sich herausstellen sollte, brauchte man für die heißen Duschen Gettones, die man nur an der Rezeption bekommen konnte - die Rezeption ist aber ab 18.00 geschlossen! Während ich das Abendessen zubereitete, fragte Wolf verschiedene Leute nach Gettones - ohne Erfolg. Nach Reis mit Schnitzel in Paprikasoße duschten wir uns schließlich kalt und wärmten uns anschließend an dem münzfrei benutzbarem Föhn. Nachdem wir im Zelt lagen, begann es zu regnen und gewittern, fast die ganze Nacht.






5.Tag: Fr 15.8. km30645

Silvaplana - Chiavenna - Menaggio - Lenno 107km

Weitere Bilder am 5.Tag Nachts in einer kurzen Regenpause hörte ich ein Rascheln in der Picknickdecke im Vorzelt, auf der sämtliche Lebensmittel lagen. Da ich sowieso austreten musste, stans ich mit Stirnlampe bewaffnet auf, breitete die Decke vor dem Zelt aus und sah zwischen den Lebensmitteln und Kochutensilien eine Maus davonhuschen. Ich jagte sie noch ein Stück weg und zog die Decke wieder ins Vorzelt. Von der Maus merkte ich nichts mehr - jedenfalls bis zum Zeltabbau. Als wir um 8.30 aufwachten, regnete es heftig. Dazu tobte ein heftiger Sturm. Als um 9.00 der Regen etwas nachließ, standen wir auf und frühstückten im Aufenthaltsraum. Nach dem Frühstück hatte der Regen sogar vollständig aufgehört. Als wir das Zelt abgebaut hatten - sogar durch den Wind getrocknet! - sahen wir die maus tot unter dem Zeltboden liegen. Sie war wohl so blöd, dass sie unter den Zeltboden kroch und sich von mir totwälzen ließ! Mit 24,90CHF war der Campingplatz nicht mal teuer, ist aber witzlos ohne heiße Dusche. Der Maloja-Pass war schnell erreicht, wir hatten fast auf Passhöhe übernachtet. Von dort fällt die Straße von 1815m über 35km nach Chiavenna auf 350m.Zum Glück war es trocken, sodass wir ungehindert hinunterheizen konnten. In Chiavenna aßen wir jeder eine Pizza, danach ging es weiter zum Comer See. Bis hierhin hatte das Wetter durchgehalten, ab nun schüttete es wie aus Gießkannen. Wir stellten uns unter und warteten zwei Stunden, bis der Regen halbwegs nachließ. Die Weiterfahrt danach war auch kein Vergnügen, denn die Straße war stark befahren und das Wasser spritzte von den Autos hoch. Gut, dass mir Wolf seine alten Überschuhe geschenkt hatte, sodass wenigstens meine Füße trocken blieben. Kurz vor Menaggio hörte der Regen völlig auf, in Lenno gingen wir auf den Campingplatz. Nach einer großen Portion Käsespätzle und einer heißen Dusche gingen wir zum See hinunter. Dort sollte es zum Ferragosto (15.8.) ein großes Feuerwerk geben. Das Ufer war gesäumt von Leuten. Das Feuerwerk war, wie alles in Italien, etwas lauter als ein deutsches Feuerwerk. Um 23.00 legten wir uns schlafen. Dies wäre das erste Mal, dass wir regenfrei zelten!






6.Tag: Sa 16.8.08 km30752

Lenno - Como - Olgiate - Tradate - Somma Lombardo - Turbigo 100km

Weitere Bilder am 6.Tag Um 7.00 standen wir auf, der Himmel war strahlend blau. Nach dem Frühstück fuhren wir um 8.40 los. Zunächst ging es durch dichten Verkehr am See entlang bis Como. Es gab lediglich immer wieder kurze Abschnitte, auf denen der Durchgangsverkehr in einem Tunnel verschwindet. Gleich am Ortseingang von Como bogen wir Richtung Chiasso ab, kurz vor der Autobahn wieder nach links über Pare - Olgiate. In Bregazzo deckten wir uns mit Lebensmitteln für heute und morgen ein, denn morgen ist Sonntag. Wenig später aßen wir zu Mittag. Weiter ging es über Tradate - Castel Seprio - Carnago - Solbiate - Besnate nach Somma Lombardo. Dort ging es am Ticino-Kanal entlang zügig weiter bis Turbigo. Nach der Ticino-Brücke entschieden wir uns dazu, gleich den Campingplatz am Ticino zu nutzen. Es war zwar noch etwas bald, aber bis zum nächsten Campingplatz waren es noch 40-50km. Es war ein gut ausgestatteter, wenn auch sehr mückenreicher Platz. Man konnte münzfrei heiß duschen und das (nicht gerade riesige) Schwimmbecken nutzen. 22€ dafür ist zwar nicht gerade billig, aber für italienische Verhältnisse noch OK. Wir kochten uns Gnocchi-Suppe und Tortellini in Tomatensoße mit Parmesan. Anschließend setzten wir uns ans Schwimmbecken und schrieben unsere Reiseberichte. Wirklich überlaufen ist der Platz wirklich nicht - wahrscheinlich sitzen die meisten Italiener am Meer.






7.Tag: So 17.8.08 km30852

Turbigo - Vigevano - Gavi - Genova 154km

Weitere Bilder am 7.Tag Wir fuhren weiter über Vigevano - Tortona - Seravelle nach Gavi. Obwohl wir fast durchgehend Hauptstraßen fuhren, hielt sich der Verkehr in Grenzen. Die Straßen waren breit und es fuhren sonntagsbedingt keine LKW. Zwischen Vigevano und Tortona fuhr sich Wolf ein Metallteil mit Widerhaken in den Reifen, was einen Platten zur Folge hatte. Flickzeug und Ersatzschlauch hatte Wolf dabei, aber ersatzmantel nicht. Der Mantel war schon etwas beschädigt, sodass Wolf zwar weiterfahren konnte, aber nicht mit vollem Reifendruck. Logisch, dass eine solche Reifenpanne ausgerechnet am Sonntag passieren muss! Ab Gavi wurde es landschaftlich wieder interessanter, die monotone Fahrt durch die Po-Ebene hatte ein Ende! Die Straße ging bei mäßigem Verkehr kontinuierlich aufwärts bis zum Passo della Bochetta auf 772m. Etwa 7km vor der Passhöhe wurden wir von einem Rennradfahrer überholt, der stolz an uns vorbeistrampelte. Daraufhin ließ ich Wolf alleine, aktivierte meine überschüssige Energie, holte den Rennfahrer ein und fuhr zusammen mit ihm hoch. Wir unterhielten uns dabei auf Englisch. Völlig unerwartet ging die Straße aus dem Dickicht heraus und wir hatten die Passhöhe erreicht. Man hatte einen großartigen Ausblick auf Genova und die Küste.
Nach etwa 20min kam Wolf an, völlig fertig und verschwitzt. Er legte sich erstmal 5min halb bewusstlos auf eine Bank im Schatten, bevor er wieder zu Kräften kam. Wolf wollte die kommende Nacht in einem Bett verbringen: Jugendherberge, Albergo oder einfaches Hotel - gegebenenfalls auf seine Kosten. Dann kam die relativ steile Abfahrt nach Genova. Der Obere Teil war recht gut zu fahren, aber schon ziemlich bald kamen wir in den Stadtverkehr von Genova. In der Nähe des Hauptbahnhofes fanden wir ein 2-Sterne-Hotel das uns für 70€ mit "Frühstück" aufnahm. Wir fanden ein geräumiges und gepflegtes 3-Bett-Zimmer mit Fernseher, eigenem Bad und Balkon. Nachdem wir uns geduscht hatten, gingen wir Pizza-Essen. Wir fanden ein einfaches Restaurant unter dem Bahndamm, in dem wir jeden Zug darüberfahren hörten. Nach dem Essen gingen wir zufrieden zurück in unser Hotelzimmer, vervollständigten unsere Tagebücher und legten uns schlafen.






8.Tag: Mo 18.8. km31006

Genova - Sestri 71km

Weitere Bilder am 8.Tag Das "Frühstück" war, wie in Italien zu erwarten, nicht besonders ergiebig: Für jeden ein Becher Saft, eine Tasse Kaffee, ein Hörnchen und zwei Scheibchen Zwieback mit Marmelade (Marmelade nahm Wolf). Dann bepackten wir unsere Fahrräder und Fuhren ins Stadtzentrum von Genova, immer auf Ausschau nach einem Fahrradgeschäft. An einem Infopoint erfuhren wir, dass sämtliche Fahrradläden in Genova bedingt durch Montag vormittag und August geschlossen hatten. Aber wir bekamen mehrere Adressen von Fahrradgeschäften auf dem Weg nach LaSpezia. In Rapallo fanden wir das erste offene Geschäft. Der Verkäufer war sehr freundlich, half uns sogar beim Montieren des Mantels und ließ uns anschließend die Hände waschen. Mit neuem Mantel und wieder ordentlichem Reifendruck konnte Wolf nun die nächsten Berge in Angriff nehmen - die Strecke war ein einziges Auf und Ab. Die Küstenstraße von Genova bis Sestri bezeichne ich als "notwendiges Übel". Abgesehen von ein paar Bergetappen verläuft sie durchgehend durch Stadtgebiet mit entsprechender Verkehrs- und Abgasbelastung. Um 19.00 gingen wir in Sestri auf den Campingplatz St. Anna, einen der vier Campingplätze des Ortes. Wie sich herausstellen sollte, hatten wir damit einen großen Fehler gemacht, denn abgesehen von der relativen Nähe zum Meer (200m mit Eisenbahn- und Straßenunterführung) war dort alles schlecht: Wir zahlten 27€ für 5m² fast nicht mehr existenten Rasen, unmittelbare Nähe zu unseren Nachbarn, kaltes Spülwasser, kostenpflichtige Warmduschen (1€ für ca 5min nicht regulierbares Warmwasser) und vergammelte Toiletten. Die optimale Ergänzung dazu war ein superfreundlicher Campingplatz-Sheriff, der es als eine Gnade ansah, uns überhaupt zelten zu lassen. Er war kaum zu verstehen, da er ständig eine Zigarette im Mund hatte, von Deutsch- oder Englischkenntnissen ganz zu schweigen. Ich habe nichts gegen einen primitiv ausgestatteten Campingplatz, aber dann erwarte ich auch einen entsprechenden Preis und in jedem Fall wenigstens eine Spur von Freundlichkeit! Wie die anderen drei Campingplätze in Sestri sind weiß ich nicht, aber viel schlechter können sie nicht sein! Da wir nicht buchstäblich auf dem Präsentierteller kochen und essen wollten, packten wir unsere Kochutensilien zusammen und gingen zum Strand. An einem sauberen und fast leeren Kiesstrand breiteten wir unsere Picknickdecke aus und kochten in der Abenddämmerung Reis mit Zucchini-Paprika-Soße. Morgen wollten wir Anne, Wolfs frühere Kollegin, am Strand von Bonassola treffen.






9.Tag: Di 19.8. km31077

Sestri- Bonassola - Biassa 82km

Weitere Bilder am 9.Tag Immerhin hielten sich die Leute auf dem Campingplatz streng an die Nachtruhe ab 23.00, sodass wir bis 7.30 durchschliefen. Nach dem Frühstück schien es dem Sheriff sogar lästig zu sein, die 27€ abzukassieren. Bis Bonassola waren es nochmal 35km, aber kurvige, bergige und kaum befahrene Straße, obwohl sie sich "Via Aurelia SS1" nannte. Parallel zur Straße verläuft die Autobahn, sodass es auf der Straße keinen Durchgangsverkehr gibt, und der lokale Verkehr ist weitgehend auf die Städte beschränkt. Um 13.00 erreichten wir Bonassola und trafen auch gleich Anne. Nachdem wir uns im Wasser erfrischt hatten, aßen wir gemeinsam Mittag. Um 16.00 brachen wir auf, damit wir noch bis zur Jugendherberge in Biassa kamen. Anne rief dort an und erfuhr, dass noch ausreichend Plätze frei waren, man aber möglichst bis 20.00 einchecken sollte. So fuhr sie mit dem Auto hin und reservierte rechtzeitig. Unsere Fahrstrecke war sehr schweißtreibend, aber landschaftlich einmalig. Wir fuhren auf der Panoramastraße duech das Cinqueterre, über 20km kein Ort und kaum Autos und ständigem Ausblick auf die bewaldete Steilküste. Nachdem wir den langen Tunnel kurz vor LaSpezia durchfahren hatten, bogen wir nach links ab und erreichten wohlbehalten um 20.50 die Herberge in Biassa. Es war eine einfache, aber durchaus gepflegte Unterkunft. Für 44€ inklusive Frühstücksbuffet war sie nur unwesetlich teurer als der letzte Campingplatz. Der Wärter der Herberge war sehr freundlich, brachte uns sofort Bettwäsche und informierte uns über die lokalen Gegebenheiten. Nachdem wir uns geduscht hatten, trafen wir Anne im Restaurant, die bereits auf uns gewartet hatte. Offensichtlich waren wir in eine Touristenfalle geraten, denn das Personal war unfreundlich und die Portionen unzureichend. Mit nicht mehr knurrendem, aber keinenfalls gesättigtem Magen legten wir uns schlafen.






10.Tag: Mi 20.8. km31159

Biassa - LaSpezia - Tellaro 22km

Weitere Bilder am 10.Tag Um 8.00 standen wir auf und konnten uns erstmal an einem reichlichen Frühstücksbuffet satt essen - abgesehen von Nutella gab es alles was wir brauchten und so viel wir wollten. Leider hatte die Herberge keinen Wäschetrockner, sodass wir einen Waschsalon in LaSpezia aufsuchten. Nach einer guten Stunde war sämtliche verdreckte und verschwitzte Wäsche wieder sauber und trocken. Die Wartezeit überbrückten wir wit telefonieren, Postkarten und Tagebuch schreiben. Wir hatten uns dazu entschlossen, noch einen Badetag in Tellaro einzulegen, bevor wir uns wieder auf den Rückweg über den Bernardinopass machten.
Da es bereits 12.30 war und wir allmählich Hunger verspürten, besorgten wir uns in einer Bäckerei kalte Pizza und aßen sie am Strand von Lerici. Wir bekamen einen halbwegs ruhigen Platz im Schatten, aber wirklich schön war es in Lerici nicht. Wesentlich ruhiger war es dagegen in Tellaro. Auf dem dortigen Campingplatz am Hang bekamen wir den allerletzten noch verfügbaren Zeltplatz. Es war ein (für italienische Verhältnisse) schöner Platz in einem terrassierten Olivenhain, wenn auch mit 27,50€ nicht gerade billig. Aber dieser Preis schloss heiße Duschen und ein großes Schwimmbecken mit ein. Auch über die Freundlichkeit des Personals konnte man sich nicht beklagen. Wir bauten gleich das Zelt auf, zogen Badesachen an und gingen zum Strand. Nach einigen Stunden Baden und in der Sonne liegen gingen wir zurück zum Campingplatz. Dann liefen wir nach Tellaro hinein, wum einen um noch etwas zum Abendessen zu besorgen, zum anderen ist es ein sehr schön gelegener Ort mit engen Gassen direkt am Meer. Für Mitte August war es erstaunlich ruhig. Die hängt auch damit zusammen, dass Tellaro eine Sackgasse ist - südlich davon ist die Steilküste völlig unpassierbar. Bevor wir mit Kochen anfingen, gingen wir noch eine Runde ins Schwimmbecken. Im Gegensatz zu Turbigo waren es richtige 25m-Bahnen und der Chlorgehalt war niedrig genug, um mit offenen Augen länger schwimmen zu können. Dann kochten wir uns Spaghetti mit Paprika-Tomatensoße, gingen danach noch etwas spazieren und legten uns um 22.00 schlafen.






11.Tag: Do 21.8. km31181

Tellaro - Sarzana - Pontremoli - Grondola 65km

Weitere Bilder am 11.Tag Wir standen kurz nach 8.00 auf und kamen gegen 9.30 los. Wir fuhren zurück nach Lerici und über den Berg nach Sarzana. Auf der SS62 war ziemlich viel Verkehr, vor allem bis S. Stefano. In Sarzana wollte Wolf seine bereits geschriebenen Postkarten abschicken. Zunächst war es schwierig, überhaupt eine Post zu finden, und dann musste er ewig warten. In Aulla war es bereits 12.00, also höchste Zeit, noch vor der Siesta etwas essbares zu bekommen. In der Altstadt von Aulla besorgten wir uns Brot, Schinken und Saft, und ließen uns auf einer Bank nieder. Unmittelbar hinter dem Ort gab es Penny und Lidl, wo wir für unser Mittagessen einen Bruchteil gezahlt hätten. Dennoch kauften wir unseren restlichen Tagesbedarf ein - bei den Preisen und dieser Auswahl ist das Einkaufen eine Freude! In Aulla wechselten wir auf eine Nebenstraße westlich der SS62. Sie war sehr schön, wenn auch extrem bergig. Ab Villafranca kamen wir wieder auf eine größere Straße, die direkt nach Pontremoli führte. Dort bogen wir etwas zu bald ab und gelangten nach Grondola nicht über die Hauptstraße, sondern über Guilado. Es war eine kleine Straße, die parallel zur Eisenbahn durch das Tal verläuft. Dann verlässt sie das Tal und windet sich im Steilanstieg durch zahlreiche Kehren im dichten Laubwald hoch nach Grondola. Dort sahen wir den Wegweiser "Camping Agroturistico 300m" Da es bereits 17.30 war und Wolf keinenfalls frei campen wollte, fuhren wir dorthin und fanden eine wunderbare Wiese im Wald vor, auf der bereits drei Zelte standen. Während wir unser Zelt aufbauten, kam die Campingplatz-Besitzerin, eine Britin, und zeigte uns die Sanitäranlagen. Duschen und Abspülmöglichkeiten gab es in einem Haus, desse erster Stock als Ferienwohnung genutzt wurde. Es war eine richtige Luxusanlage, 22€ dafür waren OK, jedenfalls im italienischen Preisvergleich. Die Nacht verbrachten wir in absoluter Dunkelheit und Ruhe.






12.Tag: Fr 22.8. km31246

Grondola - Bedonia - Farini 105km

Weitere Bilder am 12.Tag Als wir frühstückten, bemerkte Wolf, dass mein Hinterrad platt war. also baute ich das Rad aus und sah, dass ich einen kleinen Metallspieß in meinen "unplattbaren" Hinterreifen hineingefahren hatte - es war aber harmlos im Gegensatz zu Wolfs Platten. Nach dem Flicken und Einbauenpumpte ich mit der Handpumpe so viel Luft wie möglich in den Reifen, sodass ich weiterfahren konnte. Wir fuhren den Passo del Brattello hinauf und nach Borgo wieder hinunter. Dort baute ich an einer Tankstelle wieder meinen Solldruck von knapp 5bar auf, sodass ich die nächsten Kurven wieder mit gewohnter Geschwindigkeit nehmen konnte. Unsere weitere Strecke verlief über Bedonia - Ponteceno - Pione nach Farini. Dort fanden wir einen Wegweiser auf einen 1300m entfernten Campingplatz. Daher besorgten wir uns noch Hackfleisch und frischen Parmesan, sodass wir uns Spaghetti Bolognese kochen konnten. Die letzten 1300m des heutigen Tages waren nochmal ziemlich schweißtreibend.
Der Campingplatz lag am Steilhang im Wald, terrassiert, hatte leider kaum Gras, aber die Zeltplätze waren eben. Wir bezahlten 18€ inklusive heiße Duschen und Swimmingpool mit 25m-Bahnen. Nachdem wir ausgiebig geschwommen waren, bereiteten wir unser Abendessen zu und vervollständigten unsere Reiseberichte. Für mich war dieser Tag bisher einer der schönsten: Wir fuhren den ganzen Tag nur Passstraßen durch Bergland und hatten den ganzen Tag Sonne. Im Gegensatz zur Küste gab es keinerlei Menschenrummel und so gut wie keinen Verkehr. Es war die pure unberührte Natur. Wolf war ziemlich geschlaucht - er war noch nie so viele Berge gefahren wie heute.






13.Tag: Sa 23.8. km31351

Farini - Ponte del Olio - Pavia 96km

Weitere Bilder am 13.Tag Wir standen kurz vor 8.00 auf. Heute steht uns ein einfaches Streckenprofil bevor: das Flusstal abwärts und dann die Poebene nach Nordwesten. Der Verkehr nahm ab Bettolo zu, aber die Straße wird auch breiter. In Ponte del Olio fanden wir einen Lidl. Da morgen Sonntag war und Lidl unschlagbar in seinen Preisen ist, bekam ich einen wahren Kaufrausch. Nachdem wir alles verstaut hatten - Wolf hätte nie geglaubt, dass ich alles unterbrachte - ging es auf der Hauptstraße weiter nach Grazzano. Von dort ging es weiter auf Nebenstraßen nach Castel San Giovanni. Dort querten wir den Po und kamen über Spesa - San Leonardo nach Pavia. Dort wollte Wolf unbedingt in die Chiesa S. Michele, in der Karl der Große und andere Langobarden gekrönt wurden. Mein kulturelles Bedürfnis war nicht so überwältigend, sodass ich lieber die Fahrräder im Blick behielt und meinen bereits bedenklich leeren Energiespeicher mit Haselnussschnitten und Müsliriegeln aufstocken konnte. Im Lidl gibt es diese Produkte, die in Italien sonst fast unbezahlbar sind, annähernd zu "deutschen" Preisen.
Da der nächste Campingplatz nach Pavia bei Novara ca 50km entfernt lag, zogen wir den Campingplatz unmittelbar westlich von Pavia vor. In Wolfs Reiseführer ziemlich negativ beschrieben, fanden wir eine gepflegte, fast leere Anlage vor. Es gab ordentliche Grasflächen, unbegrenzt warme Duschen (wirklich heiß und regulierbar!) und ein kleines Schwimmbecken. Mit 17,30€ war dies der bisher günstigste Campingplatz in Italien. Nach ausgiebigem Duschen und Schwimmen kochten wir uns Reis mit Auberginengemüse.






14.Tag: So 24.8. km31447

Pavia - Angera (Lago Maggiore) 94km

Weitere Bilder am 14.Tag Nach dem Frühstück verließen wir den Platz um 9.15. Abgesehen von Brot waren wir vollständig mit Essen eingedeckt. Doch in untouristischen Regionen am Sonntag Brot zu bekommen ist in Italien kein leichtes Unterfangen. Über kleine Straßen erreichten wir Abbiategrasso und fanden im ganzen Ort keinen offenen Bäcker. Als ich in einem vermeintlichen Laden nach Brot fragte, der sich dann als Bar entpuppte, drückte mir der Besitzer eine Stange Toast in die Hand, geschenkt. Eine gute Hilfe für zwei "brotlose" Radfahrer!
Ab Pontevecchio kamen wir auf den Ticino-Kanal, der vom Lago Maggiore nach Milano führt. Auf dem etwas monotonen Kanalweg kamen wir zügig voran und erreichten in Sesto Calende den Lago Maggiore. Da uns die Ostseite weniger verbaut erschien, entschieden wir uns für diese Route. In Angera (Ortseingang Süd) fanden wir sogar einen offenen Supermarkt, sodass wir Frutti di Mare mit Reis statt Tortellini kochen konnten. Da wir den Bernardinopass morgen am Nachmittag antreten müssten, wenn wir heute noch weiterfahren würden, entschieden wir uns für eine Übernachtung gleich in Angera und morgen dann in Roveredo, also unmittelbar vor dem steilen Anstieg. Es handelte sich um eine ziemlich volle Großanlage direkt am See, mit aller erdenklicher Ausstattung, für 32€ pro Nacht! Da erst 16.30 war, gingen wir ausgiebig baden und sonnten uns direkt am See. Dann kochten wir unser Abendessen und legten uns kurz nach Einbruch der Dunkelheit schlafen.






15.Tag: Mo 25.8. km31541

Angera - Bellinzona - Roveredo 103km

Weitere Bilder am 15.Tag Nachdem wir gefrühstückt und die Wucher-Rechnung des Campingplatzes beglichen hatten, ging esam Lago Maggiore entlang nach Norden. Wir hatten Verkehrsdichte und Straßenzustand ähnlich wie am Lago die Como erwartet, und waren angenehm überrascht. Zwar war mehr Verkehr als im Apenninn, aber es hielt sich in Grenzen.
In Ispra kamen wir an einem Baumarkt vorbei (Hauptstraße, seeabgewandte Seite). Dort versuchten wir, eine Kartusche (zum schrauben) für Wolfs Kocher zu bekommen - ohne Erfolg. Aber sie verfügten über Gaskartuschen mit Bayonettverschluss für meinen Kocher. Ich besorgte eine, da mein Kocher mehr benutzt wurde als ursprünglich geplant. Direkt neben dem Baumarkt gab es einen Supermarkt, bei dem wir uns gleich mit Essen eindeckten - zwar ist es in Italien teurer als in Deutschland, aber doch wesentlich günstiger als in der Schweiz.
An der Grenze ließen uns die Zöllner sofort durchfahren. In Ponte Contone nahm der Verkehr wieder deutlich zu, da man auf die Verbindung Locarno - Bellinzona kommt. Aber immerhin fährt man hier auf einen abmarkierten Fahrradstreifen. Zeitweise konnten wir auf Nebenwege ausweichen, aber Bellinzona durchfuhren wir zentral. Erst am Ortsende ließ der Verkehr nach und wir erreichten wohlbehalten den Camoingplatz von Roveredo. Ein Tipp zur Anfahrt: Man muss vom Ortsschild an immer möglichst nah am Fluss bleiben. Der Campingplatz ist eine schöne sehr grüne Anlage mit Freibad, das wir sofort benutzten. Die Übernachtung kostete 31SFR, Warmduschen jeweils 1/2SFR extra. Wir erfuhren auch, dass dies die letzten Öffnungstage der Saison waren - der Platz schließt am 1.9.. Zum Abendessen kochten wir uns Pilzgemüse mit gebratenen Gnocchi. Morgen wollen wir den Bernardinopass überqueren, von aktuell 300m auf 2050m Höhe. Ich freue mich jetzt schon auf morgen, endlich mal wieder einen richtigen Pass zu fahren! Wettermäßig sieht es ja prächtig aus.






16.Tag: Di 26.8. km31644

Roveredo - Bernardinopass - Thusis 97km

Weitere Bilder am 16.Tag Am Morgen hatte ich mir ernsthaft überlegt, nochmal schwimmen zu gehen. Doch die Luft war noch sehr kalt und das Wasser hatte auch nur 23°C, sodass ich gleich das Frühstück herrichtete. Nun ging es den Berg hinauf, bis Lostallo etwas, bei Mesocco richtig steil. Bei Pan del Giacomo geht es kurzzeitig eben, bevor die Straße wieder weiter ansteigt bis kurz vor dem Ort San Bernardino. Wir fuhren durchgehend auf der alten Passstraße und hatten so gut wie keinen Verkehr, da die "Autobahn" den ganzen Durchgangsverkehr aufnimmt. Ich fuhr nach dem "Hundeprinzip": Immer wenn ich eine Anhöhe erreicht hatte, kehrte ich um und zu Wolf zurück. Kurz vor dem Ort San Bernardino geht die Straße wieder etwas hinunter, bevor sie hinter dem Ort bis zur Passhöhe ansteigt. Ab ca 1800m lässt die Vegetation nach. Nach unzähligen Kehren, Kurven und mehr oder weniger steilen Anstiegen erreichten wir wohlbehalten die Passhöhe. Dort stärkten wir uns erstmal mit Schwarzbrot (Man merkt dass man nicht mehr in Italien is(s)t!), Käse, Nutella und Paprika. Dann machten wir uns an die Abfahrt. Bis Hinterrhein, wo auch die "Autobahn" wieder aus dem Tunnel konnt, ging es in zahlreichen Kehren und Kurven etwa 10% abwärts. Danach geht es nur noch leicht abfallend durch Splügen, Rofla- und Viamala-Schlucht bis Thusis, wo wir uns wie geplant auf dem Campingplatz niederließen. Es war eine schöne Anlage, wahlweise Wald oder Wiese und heißen Duschen, wofür wir 23,30SFR bezahlten, nach Plansee wohl der günstigste Zeltplatz unserer Fahrt. Da Wolf noch seine überschüssigen SFR loswerden musste, aßen wir im Campingplatz-Restaurant richtig gut gewürztes Chili con carne, der Preis war OK. Danach gingen wir duschen und legten uns anschließend ins Zelt. Für mich war der heutige Tag buchstäblich ein landschaftlicher Höhepunkt, und ich fürchte, dass es morgen wieder ziemlich öde sein wird.






17.Tag: Mi 27.8. km31741

Thusis - Vaduz - Bregenz 107km

Weitere Bilder am 17.Tag Nachdem wir gefrühstückt und das Zelt halbwegs getrocknet hatten, fuhren wir los. Ab Thusis gibt es sogar einen Radweg, der meist direkt am Rhein entlang führt, obwohl die alte Bernardino-Straße auch kaum befahren ist. In Chur besorgten wir uns noch ein paar Kleinigkeiten für das Mittagessen und ließen uns kurz nach Chur auf einem "Bänkli" direkt am Rhein nieder. Bis hierher war es landschaftlich noch sehr interessant. Das Rheintal war eng, der Weg kurvig. Doch nun begann ein öder Abschnitt: Bei ständigem Gegenwind fuhren wir auf der Deichkrone direkt am Rhein, es geht kilometerlang schnurgerade - etwa vergleichbar mit dem Radweg am Main-Donau-Kanal. Um zwischendurch etwas Abwechslung zu haben, machten wir einen kleinen Umweg durch das Fürstentum Liechtenstein. Grenzmäßig haben die Schweizer zusammen mit Liechtenstein ein eigenes Abkommen und keine Extra-Kontrolle. Vaduz besteht im wesentlichen aus einer Staße mit Banken und einer mit Geschäften. Der Tanktourismus scheint sich dagegen in Grenzen zu halten, da sie die gleichen Preise wie in der Schweiz haben.
Wieder zurück auf dem Rheinradweg kamen wir auf dem Radweg über die "grüne Grenze" nach Österreich, ganz ohne Kontrollposten. Wir fuhren den Weg zu, bis wir schließlich in Bregenz an den Bodensee kamen. Dort ließen wir uns auf einem Campingplatz nieder. Es handelte sich um eine moderne Großanlage fast direkt am See mit eigener autofreier Zone direkt an den Sanitäranlagen, 21€ waren nicht gerade billig, aber in Italien wäre man für eine solche Anlage unter 30€ nicht weggekommen! Nachdem wir geduscht hatten, kochten wir uns die Tortellini, die wir bereits am Samstag in Ponte del Olio gekauft hatten. Nach dem Abendessen testete ich mein Handy: Auch wenn wir noch in Österreich waren, bekam ich deutsches Netz und konnte mal wieder meine Flatrate nutzen.






18.Tag: Do 28.8. km31848

Bregenz - Illertissen 128km

Weitere Bilder am 18.Tag Nach dem Aufstehen beschloss ich, im Bodensee baden zu gehen, um munter zu werden. Der See war erstaunlich warm, bestimmt 25°C. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg. Die Ostseite des Bodensees ist ein richtiges Nadelöhr: Zwischen See und Berg quetschen sich Radweg, Eisenbahn und Straße. Die Autobahn quält sich durch den ebenfalls hoffnungslos überlasteten Pfändertunnel. Momentan hat man als Autofahrer nur die Wahl zwischen Stau in der Stadt oder Stau vor dem Tunnel. Dies wird sich aber in den nächsten Jahren ändern, da eine zweite Röhre gebaut wird. Wenig später passierten wir die Grenze und waren wieder in Deutschland. Gleich wurden wir mit einem ordentlichem Anstieg aus der Bodensee-Senke heraus empfangen. Immer an der A96 bzw deren Baustelle entlang kamen wir auf recht wenig befahrenen Straßen ins Illertal. Dort folgten wir dem Iller-Radweg nach Norden und ließen uns in Illertissen auf dem Campingplatz nieder. Es ist eine private Kleinanlage mit gepflegten Sanitäranlagen und weichem Gras, Kostenpunkt 14,50€. Hätten wir gewusst, dass er über Herd mit Backofen verfügt, hätten wir uns nicht mit Geschnetzeltem und Nudeln begnügt, war aber dennoch gut.






19.Tag: Fr 29.8. km31976

Illertissen - Ulm - Nördlingen 121km

Weitere Bilder am 19.Tag Es ist deutlich spürbar, dass es Herbst wird. Zwar kann man sich beim besten Willen nicht über das Wetter beklagen - Im Gegenteil, wir hatten vor zwei Wochen den letzten Regen und jeden Tag fast den ganzen Tag Sonne, auch heute. Aber die Nächte werden kälter und am Morgen bildet sich jede Menge Tau am Zelt, sodass wir es trotz Morgensonne nass einpacken mussten.
Als wir in Ulm direkt südlich der Altstadt vorbeifuhren, beschlossen wir, das Ulmer Münster, Deutschlands höchsten Kirchturm, zu besteigen. Derartige Besichtigungen sind auch für mich "Kulturbanausen" interessant. Von oben hatten wir einen Ausblick über die gesamte Stadt - weiter nicht, da es sehr diesig war. Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten gönnten wir uns zu Mittag einen Döner - ein Genuss, auf den wir lange verzichten mussten.
Nachmittags ging es weiter zunächst im Donautal nach Osten, dann nach Norgen durch das Bergland, bis wir schließlich ins Nördlinger Ries hinunterfuhren. Da Wolf nicht wild campen wollte, fuhren wir auf Nördlingen zu, in der Hoffnung auf einen Campingplatz. Doch wie sich herausstellte, gab es keinen in näherer Umgebung. Aber fanden wir eine Jugendherberge, die allerdings in Breis und Ausstattung eher einem Hotel entsprach. Wir zahlten 58€ für ein Zweibett-Zimmer mit Balkon, Fernseher und eigenem Bad. Da wir jedoch Pfifferlinge gekauft hatten, die wir verbrauchen mussten, bereiteten wir unser Abendessen auf dem Balkon zu.
Nach dem Abendessen machten wir einen Spaziergang in die Altstadt. Es handelt sich um eine sehr schöne kreisrunde Altstadt mit Stadtmauer, die man durchgehend begehen kann. Wieder auf unserem Zimmer zurück, legten wir uns schlafen.






20.Tag: Sa 30.8. km32097

Nördlingen - Gunzenhausen - Georgensgmünd 76km

Weitere Bilder am 20.Tag Das Frühstück war großartig. Wir fanden ein Frühstücksbuffet vor mit allem, was man sich vorstellen kann. Auch an Nutella fehlte es nicht.
Unsere Weiterfahrt schien nicht gerade mit Glück gesegnet zu sein. Kurz vor Oettingen hatte Wolf einen Platten, natürlich hinten. Allerdings hatte er sich nur einen kleinen Stachel hineingefahren, sodass sich die Panne problemlos beheben ließ. Unmittelbar nach der Reparatur gab es in meinem Hinterrad einen metallischen "Kling" und eine Speiche war gebrochen - ich hatte einen riesigen Achter im Hinterrad, konnte aber noch weiterfahren. Zum Glück waren wir gleich in Oettingen und es war Samstag vormittag, sodass wir problemlos eine Speiche bekamen und sie austauschen konnten.
Ab Gunzenhausen kamen wir wieder in bekanntes Gebiet: Am Altmühlsee machten wir unsere Mittagspause. Dann ging es auf dem Überleiterweg zum Brombachsee bis Allmannsdorf, wo wir noch die Seedienst-Mannschaft besuchten. In Georgensgmünd teilten wir uns. Wolf hatte nochmal 40km vor sich bis Nürnberg, ich war gleich zu Hause.






Rückblick über die gesamte Fahrt

 

Fazit in Worten:
Wir waren fast 3 Wochen auf dem Fahrrad in Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien unterwegs.
Dies war die erste große Mehrtagesfahrt, die ich nicht alleine machte, sondern zusammen mit Wolf. Auch wenn wir uns gut verstanden, mussten wir beide etwas zurückstecken:
Wolf musste mit mir "Kulturbanause" auf einige Besichtigungen verzichten. Im Gegenzug musste ich mein Tempo drosseln und auf zusätzliche Bergfahrten verzichten - Sowohl im Apeninn als auch in den Alpen hat es mich schon gejuckt. Wolf hatte noch auf keiner Fahrt so oft gezeltet wie auf dieser - sonst war er mehr in Jugendherbergen. Ich als Naturliebhaber zelte dagegen auch gerne mal frei im Gelände und verzichte dabei auf jeglichen Komfort. Auf dieser Fahrt taten wir dies keine einzige Nacht.

Fazit in Zahlen:

Übernachtungen insgesamt: 19

Regenfreie Tage: 15

Übernachtungen auf CP: 14

Tage mit etwas Regen: 4

Übernachtungen in Herbergen: 4

Tage mit Regen als Plage: 1

 

 

Gesamtstrecke: 2022km

Mittlere Tagesstrecke: 101km pro Fahrtag

Maximale Höhenmeter: ca. 1700m am 16.Tag

Maximale Tagesstrecke: 171km am 1.Tag


Hochs und Tiefs:
Für mich waren die Höhepunkte der Fahrt buchstäblich die bergigen Abschnitte, die wir bei schönem Wetter durchquerten. Dies war zunächst das Cinqueterre zwischen Sestri und LaSpezia am 9.Tag. Hier fuhren wir stundenlang auf kaum befahrenen Straßen mit Panoramablicken auf die Steilküste. Etwas negativ überschattet wurde der Tag durch den Rummel in den hoffnungslos überfüllten Badeorten.
Die Apenninnüberquerung auf dem Rückweg bot vielleicht keine so großartigen Panoramablicke, aber es war unberührte Natur und nahezu verkehrsfrei von Pontremoli bis Farini. Wäre ich alleine unterwegs gewesen, dann hätte ich mir noch ein paar mehr Pässe "hineingezogen".
Der Bernardino-Pass auf dem Rückweg war für mich der letzte Höhepunkt der Reise. Ich genoss es, bei strahlendem Sonnenschein auf der wenig befahrenen alten Passstraße in das vegetationslose Hochland hochzustrampeln und anschließend die lange Abfahrt bis Thusis zu genießen.
Negativ zu sehen war das Regenwetter am 5.Tag, als wir zunächst in Silvaplana wegen Regen erst später aufbrechen konnten und am Comer See nochmal für zwei Stunden Starkregen festsaßen. Außerdem machte mir der Straßenverkehr am Comer See zu schaffen.
Ein weiterer Tiefpunkt war der 8.Tag - für mich ein "gefällter Tag": Das "Frühstück" im Hotel in Genova war so kläglich, dass ich hungrig in die Stadt musste! Nach vergeblicher Suche nach einer Fahrradwerkstatt ließ ich mich (als Kulturbanause) auf eine kurze Besichtigung der Altstadt mit nüchternem Magen ein! Die Weiterfahrt bis Sestri war auch alles andere als angenehm - 70km Stadtverkehr ohne Radwege! Getoppt wurde dieser Tag noch mit einem überteuerten, schlechten Campingplatz mit "superfreundlichem" Sherriff. Diesen Küstenabschnitt kann ich für Radfahrer nur abraten!


letzte Aktualisierung am 14.11.08